Ein Bericht von Richard Frey

Es hat Barbara und mir gut gefallen, dass unser Treffpunkt zur Saisoneröffnung erst später als in früheren Jahren angesetzt war. So konnten wir mit unserer Corvette C2 Stingray gemütlich, nur über Landstraßen, ohne Vignette, von Breitenfurt nach Schwechat die ersten Kilometer im heurigen Jahr fahren. Im Zuge von Ottos Begrüßungsrede hat Heinz Ries rührend erwähnt, dass seine liebe Frau Grete schon im Herbst, vergangenes Jahr, vor ihrem unerwarteten Tod, die Strecke und die Stationen mit ihm ausgewählt hat.  Um 10:00 sind dann an die 30 Oldtimer, eine schöne, bunt gemischte Truppe, vom Mc Donalds losgefahren.

Mit einer taktischen Meisterleistung habe ich mich hinter dem eindrucksvollen, weißen Ferrari Dino von Herbert Berger positioniert. Die beiden Sportwägen konnten aber nie aufdrehen, wir waren weit vorne. Wahrscheinlich war es für mich mehr Stress das Tempo zu zügeln, als für die hinteren allfällige Lücken zu schließen. In der Gemütlichkeit ist mir dafür nicht entgangen, dass Herbert an seiner Heckscheibe standesgemäß ein Playboyhäschen picken hat.

Die Autoschlange hat am Weg noch die letzten Freunde aufgenommen und so sind wir alle 33 an der ersten Station in Bad Deutsch Altenburg bei der Firma Dürnsteiner angekommen. Gut, dass sich Barbara und ich den Frühstückshunger aufgespart haben im „Schnäppchenjägerhimmel“, wobei wir beim Verdauungsspaziergang durch großen Hallen nicht fündig werden konnten trotz ungeahnter Stückzahlen an Talismanen.  

Am Weg durch das schöne Burgenland hat sich das Wetter soweit gemausert, dass der hitzige Wolfgang in seinem E-Type offen fahren konnte, beneidenswert. Wir haben das Outlet Center Parndorf, das wir aus der Vorweihnachtszeit gut kennen, links liegen lassen, einen Super-plus-Benzinpreis von 2,08 Euro notiert, und sind schließlich über Neusiedl am See, Weiden, Gols und Frauenkirchen nach St. Andrä gelangt, wo wir im „Restaurant zur Linde“ im Freien sehr gemütlich und gut gegessen haben. Wir haben Gespräche über meinen hitzegeschädigten Zylinderkopf im Zweit-Oldtimer, den Ukraine-Krieg Irrsinn und die Vorfreude auf unser privilegiertes Nachmittagsprogramm geführt, während wir drei Gänge verdrückt haben.

Schön, dass Heinz mit uns immerhin eine Ehrenrunde im Kreisverkehr beim Zicksee fuhr. Ich kann Euch nur zu einem ausführlichen Wiedersehen raten; nehmt ein Fernglas mit und beobachtet die seltenen Enten, Reiher, Möwen- und Schnepfenvögel (z.B. Stelzenläufer) am Zicksee, so wie wir das vor wenigen Wochen mit Brüdern und Schwägerinnen gemacht haben.

Nach einer kurzen Fahrzeit mit Regenschauer gab es nach Frauenkirchen das Highlight „Paradeiserkaiser Stekovics“. Ich sag´ nie wieder Tomate (das wünscht sich auch mein Vater). In diesem Musterbetrieb im Grünen sind sicher mehr als 100 verschiedene junge Paradeispflänzchen im Freien (nicht im Glashaus) in Reih und Glied geordnet zu bewundern. Sie sind feinsäuberlich beschriftet: … Harzer Kind, First in Field, Der kleine Herzensbrecher, Beli Nativ (genau die vier haben wir ausgesucht) …, immer als Paradeiser benannt (J windows-word kennt das Wort nicht), nie als Tomate. Wir haben die Setzlinge schon im Hochbeet gepflanzt und hoffen auf eine gute Ernte. Die Einlegearbeit haben wir bisher nicht im Repertoire, aber wir haben mit den Oldtimer-Freunden eh vor der Gärtnerei Halt gemacht und uns im Stekovics-Geschäft mit eingelegtem Gemüse eingedeckt, – „capsicum annuum manibus tractatum“ steht auf jedem Glas. Lang ist mein Lateinunterricht her.

Wir haben den Leuchtturm in Podersdorf „gespritzt“, aber dafür Gott-sei-Dank viel Zeit für die Besichtigung der wunderbaren Classic Cars der Familie Naglreiter gehabt. Der Firmengründer Hans Naglreiter hat sich mit launigen Worten vorgestellt, die eine wirklich beeindruckende Lebensgeschichte beschreiben. Es steht mir wohl nicht zu, Details wiederzugeben, aber dass ein talentiertes Kind vor etwa 55 Jahren, als ich auch schon längst geboren war, in Ermangelung eines Lehrplatzes vom Kärntner Vater spontan innerhalb eines Nachmittags einem wohlhabenden burgenländischen Bäcker während seiner Durchreise überantwortet wurde, hat mich schon sehr beeindruckt.

Als Psychiater sage ich „wie haben sich doch die Zeiten für unsere Kinder und Enkelkinder geändert …“. Herr Naglreiter war letztlich doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hat als „Bäck“ Feuer gefangen und offensichtlich seine Chancen nützen können. Schön, dass er das gleiche Hobby wie unsere COVC-Mitglieder hat. Die Halle mit einem Horch aus den 1930er Jahren, einem Cadillac aus den 40ern, Mercedes 220 und Jaguar XK aus den 50ern, dem seltenen Borgward und dem besonders robusten, zeitlosen Mercedes 240 haben wir genossen. Zum Schluss sind wir noch in einer Filiale zusammengesessen und haben den wirklich schönen, kurzweiligen Tag mit einem pikanten oder süßen Imbiss ausklingen lassen.

Die Salzstangerl haben es nicht bis nach Hause geschafft, die habe ich schon in der Corvette verdrückt, bei Nieselregen und freier Fahrt samt warnender Stimme meiner Frau Barbara. Zuletzt danke ich Heinz Ries für die Organisation der interessanten Ausfahrt, Otto Goschenhofer für seine Präsidentschaft und allen COVC Freunden für das Zusammensein am 7.5.2022.